Wo für mich das wirkliche Leben anfängt

Hallo,

am 02.06.2012 schrieb ich in mein Notizbuch Folgendes:

“Eine Veränderung passiert nicht von heute auf morgen. Das Leben ist ein Prozess und alles bewegt und verändert sich. Niemals geschieht eine Sache genauso, wie sie schon einmal geschehen ist. Und niemals wird etwas genauso sich ereignen, wie man es erwartet und es sich erhofft und vorstellt.

Das Leben passiert. Allerdings ist man dem nicht hilflos ausgesetzt. Jeder von uns kann aktiv selbstbestimmen, welchen Weg er einschlägt und was ihn voranbringt. Das Mensch strebt nach Selbstverwirklichung und Harmonie. Dinge, die schaden geht er aus dem Weg und vermeidet sie.

Wichtig ist es, sein Handeln und Verhalten zu hinterfragen und sich den Problemen zu stellen, um ein erfüllendes, wohltuendes Dasein zu genießen. Das Leben muss nicht grau und schwerfällig sein.

Wenn es das ist, dann ist man es sich selbst nicht wert, sich für etwas Besseres ins Handeln zu begeben und seine Träume und Ziele zu verwirklichen.”

Beeindruckend. Ich schrieb diese Zeilen damals in der Klinik nachdem ich realisiert hatte, dass ich bin, dass ich lebe und, dass ich es mir wert bin.

Es klingt selbstverständlich, wie ich das so schreibe. So, als wäre Nichts dabei und als wäre das so etwas, ja eben Selbstverständliches, was Jeder weiß und was Jeder in sich mit sich so herum trägt.

Doch ich glaube, dass es nicht so ist; dass der Verstand andere Geschichten erzählt.

Mein Verstand wünscht sich manchmal, dass eine Veränderung von heute auf morgen passiert. Und gleichzeitig wollte er auch immer, dass sich am besten Nichts verändert, sodass das sichere Konstrukt bestehen bleibt.

Und auch ist es so, dass ich am Liebsten in die Zukunft schauen wollte, um zu wissen, was als Nächstes passiert, weil das Gefühl, es nicht zu wissen mir Angst bereitete.

Die Gewohnheit war ein ständiger Begleiter.

In gewisser Weise tut sie auch gut. Denn, wenn ich gewohnt handel, dann braucht mein Gehirn weniger Energie, da mein Verhalten den Nervenbahnen folgt, die schon sehr ausgeprägt sind. Je dicker diese sind, desto schneller kann ich reagieren und handeln. Reiz zack Reaktion. Da brauch ich nicht viel nachdenken und hinterfragen erst recht nicht. Reiz zack Reaktion.

Und doch bin ich in den meisten Fällen kein großer Fan davon, weil so auch Vieles an mir vorbeigeht.

Ich liebe mittlerweile den Gedanken: Jeden Tag in jedem Moment, also auch genau jetzt, passiert etwas, was noch nie zuvor passiert ist. Jeder Moment ist einzigartig und in jedem Moment treffen Gegebenheiten aufeinander, die sich so noch nie ergeben haben. Selbst wenn ich jeden Tag den gleichen Weg laufe, so ist dies jeden Tag ein neuer Weg, denn niemals wird der gleiche Vogel zur gleichen Zeit auf dem gleichen Ast in dem gleichen Windzug, wie gestern zwitschern.

Ja, das sagt man so, hätte ich früher voller Überzeugung gesagt.

Heute weiß ich aus meiner Erfahrung, dass es wirklich so ist und etwas verändern kann, wenn man sich darauf einlässt.

Wenn ich in der Gewohnheit versunken bin, dann mache ich das, was ich immer mache, ohne dabei noch bewusst wahrzunehmen, was ich dort gerade WIRKLICH mache. Ich glaube dann immer den selben Weg zu gehen, aber sehe gar nicht, dass das gar nicht wahr ist.

Was halte ich denn noch alles so für wahr, obwohl es das nicht ist?

Wenn ich aufwache und bewusst wahrnehme, was eigentlich ist, dann kann ich aus dieser Gewohnheit ausbrechen. Dann kann jeder Moment zu dem werden, was er wirklich ist, etwas Einzigartiges, etwas Wundervolles. Ja, WUNDER voll. Denn in jedem Moment passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Wenn ich loslasse und einfach schaue, was da ist, dann kann ich Dinge entdecken, an die ich niemals zuvor gedacht hätte.

Wenn ich loslasse, dann komme ich aus dem Kopf direkt in den Moment.

Dann lasse ich Gedanken los und bin einfach nur da. Im jetzigen Moment passieren auch keine Sorgen. Sorgen sind Gedanken, die uns verschleiern, die uns verblenden. Sie nehmen den Moment ein und lassen mich nicht frei spüren, was eigentlich gerade los ist.

Wenn ich also das Leben mehr leben und genießen will, wenn ich mich selbst erfüllen will, dann muss ich raus aus meinem Kopf kommen und direkt rein ins Leben.

Dann brauche ich nicht für alles einen Plan, dann darf ich auch mal einfach nur da sein und schauen, was in diesem Moment los ist.

Und dann kann ich auch die Angst und das Unwohlsein, welches dann aufkommen mag, weil dann vielleicht Sorgen aufsteigen, wie: Du musst doch noch das und das und das machen! Und: Nee, das ist ja total langweilig, was soll ich da schon sehen. Was bringt mir das?! Das ist doch sinnlos und schwachsinnig! Da passiert doch Nichts! Ja, dann kann ich diese Gedanken einfach Kopfsache lassen und trotzdem herausgehen, aus der Gewohnheit und für einen Moment einfach mal loslassen und sein.

Sobald ich aus der Gewohnheit ausbrechen will, meldet sich auch mein Verstand.

Er passt darauf auf, dass alles in seinen gewohnten Regeln abläuft. Er ist es auch, der mir dann die Sorgen, Ängste und Zweifel aufwirft, indem er versucht, das, was er nicht fassen kann, vorauszusagen. Und das fällt natürlich negativ aus, weil er nicht will, dass sich etwas verändert, weil er sich ja auf das, was er schon kennt, eingestellt hat. Dafür hat er ja seine Regeln und Gedankenbahnen in meinem Gehirn erschaffen, da muss jetzt auch nichts Neues so unbedingt rein. Läuft ja. Ja, lieber Verstand.

Und doch beginnt wirkliches Leben da, wo ich aus der Komfortzone, aus der Gewohnheit ausbreche.

Hier ist der Raum, an dem Entwicklung stattfinden kann. Hier kann ich herausfinden, wer ich wirklich bin und was ich wirklich, wirklich will. Hier kann ich meinen Verstand dankbar für das, was er bisher für mich getan und geregelt hat, abschalten und einen Moment lang einfach sein und schauen, was da wirklich ist. Hier sind meine Gedanken eben nur Gedanken und ich entscheide, ob ich ihnen Glauben schenke will oder eben nicht.

Hier ist auch der Moment und Ort, an dem ich mich neu entscheiden kann, an dem ich das Alte sein lassen kann.

Und hier kann ich lachen, weil ich lebendig und frei bin.

Und am Wichtigsten, hier ist auch der Moment, in dem ich anfangen kann, mich zu lieben und zu schätzen, wie ich bin. Mit allen meinen Ecken und Kanten, meinen Verhaltensweisen, die ich dort in meinem Kopf irgendwann einmal gelernt habe und mit allem, was ich sonst noch so mitbringe. Hier kann ich einfach sehen, wer ich wirklich bin und, was mir wirklich am Herzen liegt.

Hier bin ich einfach nur, und zwar mehr als das, was ich glaube zu sein.

Wer bist du, wenn du deine Komfortzone verlässt und aus der Gewohnheit für einen Moment ausbrichst?

Ich freue mich, wenn du es mit mir teilst.

Alles Liebe,
Nadin

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2 Kommentare zu „Wo für mich das wirkliche Leben anfängt

  1. Noch so ein toller Text. Fantastisch! Genau das, was ich gerade jetzt zur Bestärkung brauche. Ich würde dir gern so viel sagen, doch es lässt sich nicht in Worte fassen.Also fasse ich mich kurz und sage stattdessen einfach danke!

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