Mein innerer Kritiker

Hallo,

es kommt mir so vor: Je mehr ich versuche, produktiv zu sein und wirklich etwas wertvolles zu schreiben, desto weniger gelingt es mir.

Gerade habe ich so einen inneren Kritiker, auf meiner Schulter zu sitzen.

Alles, was ich über mich persönlich in die Tasten hauen möchte, wird von im kritisiert und nieder gemacht. Wenn ich darüber schreiben möchte, wie es mir damals mit meinem Job und meinem Studium erging, dann schreitet er ein und will das einfach so runterspielen. Er tut es als nicht wichtig ab und, dass das so ja keinen interessieren wird. Doch gleichzeitig merke ich, dass das aus mir heraus will und eigentlich sollte ich mir erst einmal anhören, was da überhaupt heraus möchte. Aber nein, das ist es jetzt nicht. Das soll jetzt so nicht sein. Dieser innere Kritiker möchte aber auch wieder einmal, dass es perfekt wird, dass es richtig, richtig top und wertvoll wird. Was bedeutet „perfekt“ denn überhaupt?! Dass dieser Druck zu groß ist und ich mir damit selbst im Weg stehe, will er nicht wahr haben.

Und dennoch sitze ich hier und schreibe, haue in die Tasten und versuche immer wieder ein neues Thema anzuschneiden. Doch wirklich bis zum Ende bringe ich es nicht. Dann hat er gesiegt.

Er hindert mich daran, einfach zu sein.

Genau jetzt und genau so, wie ich gerade bin.

Dieser innere Kritiker ist mir bereits bekannt. Wir kennen uns schon seit einer ganzen Weile. Er hilft mir auch, mich voran zu bringen, wenn mein Herz zu leise ist. Es gab eine Zeit, in der mein Herz leise sein musste und seitdem kennen wir uns.

Und da ist er schon wieder. Wenn ich diesen Artikel jetzt veröffentliche, dann sind alle meine anderen Artikel wertlos, möchte er mir gerade sagen. Vor allem der Artikel über Perfektionismus. Dieser wird dann Keinen mehr interessieren. Natürlich ist das vollkommen übertrieben, was er da von sich gibt. Doch dieser Kritiker meint es manchmal echt ernst. Ich habe dann perfekt zu sein und ich darf dann keine Ecken und Kanten haben. Wundervoll und einzigartig? Paaahhh… diese Worte gehören ins Gefängnis, sagt er dann. Ja, so ist er, der Mister Kritiker. Aber hey… genauso wie meine liebevolle und tiefsinnige Art, gehört auch der liebe Kritiker zu mir.

Er ist ein Teil von mir.

Auch, wenn er hin und wieder die Perfektion anstrebt und das dann echt anstrengend ist, gehört er dazu. Er glaubt halt manchmal noch, dass er alles regeln muss, dass ich perfekt sein müsste. Irgendwie möchte er mich nur beschützen, so wie damals eben. Da gab es keinen anderen Weg, da war mein Herz sehr leise. Und deswegen ist er so gut, in dem, was er macht. Letztendlich kann er das machen, denn es zählt, wie viel wert ich ihm gebe. 

Was nämlich viel wichtiger ist, ist das, was dahinter steckt.

Der innere Kritiker ist nämlich in erster Linie Teil meines Verstandes. Er wird dann lauter, wenn ich nicht mit meinem Herzen verbunden bin. Ziel gesetzt und auf biegen und brechen, hopp, hopp dahin!  Jetzt aber mal dalli mit dem Schreiben und es soll möglichst perfekt sein. Am Besten es gefällt allen und Jeden und geht schnell. Ohne wenig Tamm, Tamm. Und mein Herz? Der Wert? Das Gefühl? Die Verbindung und Berührung?? Das, was wirklich bewegt? Ja, das bleibt dabei auf der Strecke.

Aber ja, es ist eben so ein Prozess, ne?!

Mittlerweile merke ich, wenn sich mein innerer Kritiker in den Vordergrund spielt; wenn wieder einmal alles perfekt sein muss, wenn ein Satz nach dem Anderen auf gefühlt alle möglichen Fehler und Sichtweisen hin analysiert werden soll.

Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Position einnehmen kann, dass ich mir anschauen kann, was da vor sich geht und ich bewusst entscheiden kann: Ey, nee, jetzt nicht. Jetzt lassen wir einfach mal alles so sein, wie es ist und wir gehen jetzt mal dort rein und schauen mal, was das liebe Herz dazu sagt. Denn unser Herz, das ist doch das, was uns so lebendig und freudig fühlen lässt. Das, was für jeden in eine andere Richtung schlägt.

Das, was uns fühlen und spüren lässt.

Danke du wundervolles Herz, dass du da in mir bist und für mich schlägst! Aber danke auch wundervoller Verstand, dass du alles, für mich regeln und planen willst! Zusammen seid ihr unschlagbar, zusammen sind wir ein wundervolles Team!

Es löst in mir Freudengefühle aus, wenn sich Kopf und Herz unterstützen. Mein Herz bestimmt die Richtung und mein Kopf hilft mir dabei, die Dinge umzusetzen. Ängste spielen da keine Rolle mehr. Doch mindestens genauso spannend finde ich, wenn das nicht so funktioniert. Wenn mein Kopf die Richtung bestimmen will und mein Herz irgendwo auf der Strecke bleibt. Das Resultat: Etwas, mit wenig Herz und ein Streben nach Perfektion. Und ich merke, wenn ich nach Perfektion strebe, dass mein Herz auf der Strecke bleibt. Auf einmal sind die Freudengefühle weg und es wirkt ein wenig trister.

Und gleichzeitig ist es ein Zeichen dafür, dass es einmal wieder an der Zeit ist, mein Herz zu mobilisieren, mir einmal mehr einen Moment zu nehmen, in dem ich nach Innen höre und schaue, wo es denn gerade hin möchte und was es mir sagen will.

Du bist gut so, wie du bist! Du bist einzigartig und wundervoll. Vertrau mir!

Und dann, dann kommt es wieder. Das Freundengefühl und ein Moment, in dem ich einfach nur sein und strahlen kann, genau so, wie ich bin!

Kennst du das, dieses Freudengefühl?

Lass mir gern einen Kommentar da. Ich freue mich, von dir zu hören.

Alles Liebe,
Nadin

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2 Kommentare zu „Mein innerer Kritiker

  1. Liebe Nadine,

    du sprichst mir aus der Seele. Du bringst es genau auf den Punkt. Wundervoll! Ich habe all diese Dinge in einer Therapie gelernt und lerne sie auch nach und umzusetzen, doch da dies sehr viel Achtsamkeit erfordert, die ich natürlich nicht immer aufbringen kann, rutsche ich schnell wieder in die Situation, in der ich mich von meinem lieben inneren Kritiker „runterziehen“ lasse und merke es noch nicht einmal. Dein Text hilft mir da jetzt sehr, wieder mehr darauf zu achten und anstatt dem Kritiker Widerstand leisten zu wollen, ihm einfach zuhören, ihn annehmen, aber dann bewusst entscheiden, ob ich ihm folgen möchte oder nicht.

    Danke! Dein Blog ist einfach unverzichtbar! Schön, dass es ihn gibt. Tolle Team-Arbeit von deinem Herz und deinem Kopf! 🙂

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    1. Hallo liebe Elisa,

      dankeschön! Freut mich sehr, dass meine Worte dich berühren und dir helfen. Ja, echt tricky, wie dieser innere Kritiker das so anstellt, aber ich finde es mega stark von dir, dass du da auch immer wieder bei dir hinschaust und dann selbst entscheidest, was du wirklich willst! Freut mich sehr, dass dir mein Text da so zur Seite steht. 🙂 Wir sind da auf dem gleichen Weg, das freut mich sehr! Alles Liebe für dich ❤

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