Über das Schreiben und die Angst, sich selbst zu begegnen

Hallo,

„eine Schreibübung: Nimm dir 20 Minuten Zeit, setz dich mit Papier und Stift oder einem leeren Dokument auf deinem Pc hin und notiere dir folgendes Thema: „Was würdest du heute wirklich tun, wenn du morgen nicht mehr lebst?“. Stell dir einen Wecker oder schau auf die Uhr und fang an zu schreiben.“

So oder so ähnlich beginnen mehrere Schreibübungen, die helfen, die Gedanken in Fluss zu bringen.

Hast dus mal ausprobiert?

Ich schon und ich finde es unglaublich erstaunlich, was sich da so bewegt. Am Anfang sagt der Kopf und der Verstand: „Nein, ich kann nicht schreiben, ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll und außerdem kann ich mich nicht ausdrücken. Schreiben ist einfach nicht meins.“ Ja, kann ich voll verstehen. Doch ich weiß nun, dass das Schreiben viel bewegen kann und ich glaube, dass wir immer, wenn wir glauben, nicht schreiben zu können, wir uns selbst einen Stein in den Weg legen.

Ist es wirklich wahr, dass wir nicht schreiben können?

Jeder kann schreiben! Ohne Scheiß jetzt! Wenn ich denke, ich kann das nicht, dann kann ich es auch nicht. Wenn ich aber über diesen Punkt drüber gehe merke ich: Sobald ich beim Schreiben stocke, habe ich einen Gedanken gedacht, der das, was gerade raus wollte, abwertete. Zum Beispiel dachte ich dann: Nee, so kannst du das nicht sagen. Oder: Wen interessiert das eigentlich. Oder: Das ist so unwichtig. Oder: Ich kann eh nicht schreiben. Klar, wenn ich solche Gedanken denke, dann ist das, wie eine Tür, die sich schließt und gegen die ich dann renne. Dann fließt Nichts mehr.

Aber stell dir vor, du könntest diesen Punkt überwinden.

Stell dir vor, du würdest diesen Gedanken nicht die Kraft geben, dass sie dich blockieren. Was dann passiert, liebe ich! Auf einmal fängt es an zu fließen, auf einmal kommt Lebendigkeit ins Spiel und auf einmal darf alles sein. Die Gedanken, die mich ins Stocken bringen, gehören einfach dazu, die dürfen auch sein. Ich schreibe sie einfach auf und dann noch viel weiter. Manchmal ändert sich dann auch noch einmal die Richtung. Es stellt sich heraus, dass das Vorherige, nicht das war, was gerade wirklich raus wollte. Und bei den blockierenden Gedanken merkte ich teilweise: Es sind nicht meine Gedanken, sondern welche, die ich irgendwann mal gehört habe, die sich eingebrannt haben und die mich klein machen wollten.

Unwahrheiten. Und da kann ich reingehen.

Hallo, ihr negativen Gedanken. Ich weiß, ihr wollt mich hindern, einfach ich zu sein. Das ist auch ok, denn damals war es gut, dass ihr da wart, denn dann gab es keinen Ärger und es war für unser Umfeld weniger anstrengend. Denn ein lebendiges, plapperndes Kind, welches nicht tut und schreibt, was es schreiben soll, das ist anstrengend, das passt da nicht rein. Also schön leise sein und machen, was gesagt wird. Ok… und heute?

Heute darf ich sein, heute kann ich sein, heute muss ich Niemandem mehr gehorchen oder gefallen.

Ich brauche nicht mehr angepasst sein und deswegen kann ich einfach fließen und das heraus lassen, was heraus will. Ich kann mich selbst komplett wahrnehmen, mir allen meinen Ecken und Kanten. Und meine Gedanken kann ich aufschreiben. Ich kann schreiben und meine Gedanken sind ok, meine Gedanken dürfen fließen. Ich weiß vorher auch nicht immer, was sie heute sagen wollen und doch tun sie es einfach.

Wenn ich glaube, vorher wissen zu müssen, was passiert, dann schränke ich mich selbst ein.

Ich wollte das eine lange Zeit, weil ich Angst vor der Zukunft und vor dem Neuen hatte, Ich erwarte dann, dass ich ein Übermensch bin, ein Hellseher, der in die Zukunft schauen kann, aber hey, das bin ich nicht und ich glaube, dass Niemand zu 100% sagen kann, was morgen passieren wird. Aber warum will ich das? Wenn ich weiß, was passieren wird, dann kann ich mich vorher mit meinem Verstand darauf einstellen. Ich kann mir vorher alles überlegen, was genau passieren wird, wie ich mich verhalten werde usw. Und warum? Es gab mir Sicherheit, weil ich ja eben Angst vor dem Neuen hatte. Ja, das ist so ein Verhalten. Total verständlich, wenn ich es heute betrachte. Ich konnte eben nicht mit unerwarteten Situationen umgehen: Was sollte ich dann tun? Wie sollte ich mich verhalten? Was, wenn etwas schief geht?… aber das ist auch wieder ein anderes Thema. Vielleicht mache ich dazu noch einmal einen separaten Eintrag…

Zurück zum Schreibfluss. Meine Gedanken dürfen fließen und einfach sein und ich brauche vorher nicht schon zu wissen, was ich schreibe. Ich kann ihnen einen Rahmen vorgeben, aber dann schaue ich, was aus mir heraus kommt.

Mir hat das Schreiben einfach unglaublich weitergeholfen und ich würde es Jedem empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Sich wirklich einfach mal hinzusetzen, und seine Gedanken fließen zu lassen. Beim Schreiben sind die Gedanken nach meinem Empfinden auch langsamer und klarer.

Und das Beste: Das Gefühl danach. Diese Ruhe. Dieses Sein. Diese Klarheit. Diese Erleichterung. Diese Verbundenheit.

Für mich ist das Schreiben ein Weg, mir näher zu kommen und mich mit mir auseinanderzusetzen. Am Anfang war es gruselig, sich mit mir selbst zu konfrontieren und ich glaube, dass das auch irgendwie vom Verstand her gesteuert ist. Der versucht ja auch immer, uns irgendwie abzulenken, um eben nicht genauer hinzuschauen. Aber eigentlich ist das total doof.

Denn, wenn wir nicht wissen, wer wir sind und was wirklich in uns vorgeht, wie wollen wir dann unser Leben leben und glücklich sein? Woher wissen wir dann, was uns wirklich wirklich wichtig ist und was uns wirklich wirklich glücklich macht?

Ich wusste es früher nicht und ich nahm mir auch nie die Zeit, mich damit zu beschäftigen. Keine Zeit für mich.

Doch was wäre, wenn wir morgen wirklich sterben würden?!

Heute nehme ich mir regelmäßig Zeit, um in mich hineinzuhören, was da los ist. Ich schaue, was mir wichtig ist und was mich bewegt, was mich beschäftigt. Diese Zeit gönne ich mir und ich merke, je mehr ich bei mir selbst bin, desto klarer sind meine Gedanken und desto genauer kann ich bestimmen, in welche Richtung ich heute gehe. Und auch, wo es sich wirklich lohnt Energie reinzustecken und wo ich vielleicht lieber nochmal genauer hinschaue.

Welchen Weg wählst du, dir selbst zu begegnen? Hast du das Schreiben mal probiert? Einige andere Wege sind ja auch zum Beispiel das Videos drehen, das pure Nachdenken, Spazierengehen, Meditieren oder Yogan. Fällt dir noch etwas ein?

Alles Liebe,
Nadin

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